VICE? Spast!

…gestern Abend im Clöööb, dein Lieblingsdorf-Handballverein macht nen Ausflug in die große Stadt, fällt wie ein Rudel hungriger Ameisenbären in den – an dem Abend lamesten – Club und positioniert sich in bester Omi-mit-verschränkten-Armen-auf-dem-Fenstersims-Manier an der Theke! Meine Person gesellt sich zwecks Gerstenisierung der Lebergegend hinzu und wird gleich mal schief angeschaut: Ich glaub es war mein Hut, die dachten wohl, ich wäre eine dieser Scheiß-Justin-Timberlake-Imitationen, über die ich mich persönlich auch herzlichst aufregen kann, das nur mal so am Rande.

Dieser Mensch also (muss bei der Körperfülle entweder rechter Torpfosten oder Zeugwart gewesen sein) möchte anfangen zu pöbeln (Ich in Gedanken: “Junge, ich bin Fußballfan, was willst du eigentlich mit deinem Schwuppenspocht mit dem viel zu kleinen Ball, den viel zu kleinen Toren und dem dauerhaft rotwürdigen Spielverhalten von mir?”)…er holt also Luft, schaut zu seinem Kollegen und nuschelt dann stark albernes Hinterwäldlerzeugs, mit dem er selbst in jedem Realschulhof-Battle in fünf Sekunden den Preis für den lächerlichsten Provospruch erhalten würde. Noch schlechter für ihn – vor ihm stand eine Flasche Desperados mit Limetteneinsatz! Sprich, selbst wenn er was zu sagen gehabt hätte, mehr Angriffsfläche geht ja gar nicht, du Eingeborener. Meine Person macht ihm das also auf freundliche, aber bestimmte Weise klar, guten Gewissens darum, dass ICH hier gerade männliches Bier trinke, während DU mein Freund, auch am Ejakulat deines Handballtrainers schnüffeln könntest, statt das Gebräu in den Schlund zu kippen…aber wo war ich stehen geblieben? Ach ja, pass op…der Typ also mustert meine Person auf der Suche nach dem Link, nach dem Eingang zum Diss…ist ja auch an sich okay, ich meine wenn alle peacefull wären und sich nur auf die Schulter kloppen würden, wäre das ja auch nur die halbe Spaßmiete, also los Junge, versuch dein Glück! Ich hab da dieses dunkelblaue Hemd an…näää…das kann man auch nicht ficken, H&M halt, hat ja irgendwie jeder, was will man da schon sagen, ohne sich zum Dandy zu machen? Die Baggy vielleicht, ich meine heutzutage wo doch jeder und dessen Vadder Eierbondage im Verein spielen, sprich Röhrenjeans der Scheiß sind, da könnte meine Baggy doch ein Ge-heimtipp für ihn sein…aber nüscht…jetzt steht mein Kölsch schon griffbereit, er muss sich also beeilen, wenn er noch punkten möchte…schon wieder schaut er nervös zu seinem Freund, der ist mal glatt nen Kopf größer als ich und scheint so, als würde er tag team like gerne abklatschen…hätte er mal machen sollen, denn nun folgte vollends die Blamage, quasi der Untergang 2.0, denn Monsieur Battlegewitter dreht den Spieß jetzt um, die Zeichen stehen ganz plötzlich auf Versöhnung. Er sagt sowas wie “eigentlich wollte ich dich gerade blöd anmachen, weiß auch nicht, mir war danach, aber dein Tattoo ist ja cool, dann kannste ja nur in Ordnung sein”…und flugs folgt da so einer dieser Schulterklopfer…urgs…wasn hier los? Erst heiß machen und dann fallen lassen, bist du eine von diesen selbstverliebten Frauen, die dann doch zu wenig Selbstbewusstsein haben, um eine Sache durchzuziehen???

Aber es geht ja noch weiter, denn nun sind wir ja quasi Freunde. Ich meine, wir haben schon jetzt so einiges durchgemacht, ein Fundament aufgebaut auf dem nun eine wahre Männerfreundschaft entsteht und der Schützenfesthustler erklärt mir nun seine Welt…warum sie überhaupt in diesen “HipHop-Schuppen” gegangen wären, wobei das doch 1. nicht ihre Musik und 2. nicht mal die übliche Gegend wäre, wo man sonst so zu gastieren pflege…und langsam verstehe ich, dieses Kleinod an Hinterhältigkeit, dieser Meister des Subtilen, Fuchs unter Wieseln battlet mich immer noch, bloß mit anderen Waffen. Er tötet mich mit Langeweile, er spammt mich geradezu voll und im Gegensatz zu meinem Email-Account kann mein Gehirn nicht schnell genug selektieren, was rein darf und was vor der Türe bleiben muss wie HipHop Heads vor einem Britpop Laden…schlimme Sache denke ich mir, während ich mich quasi von außen selbst dabei beobachten kann, wie ich zerbröckel. Ich stammel, wimmer, bete um Gnade, dass ich da irgendwie wieder heile rauskomme. Wie hat er das bloß geschafft? Props für dich, du bist ein Gigant, wie du mich da noch mehr langweilen konntest als ein Ausflug mit der Liebsten zum IKEA (trotz der Köderei, dass “wir danach auch ins Restaurant auf ein paar schwedische Fleischhappen gehen”)…lksadjfölksadjfölksadjfölkjsaölkfjölksjkölsdjgüjgowiäjklsj…ups, pardon, bin gerade mal auf der Tastatur eingenickt in Gedanken an das Gespräch von gestern…Aber beenden wir das und kommen zur Überschrift, falls das noch jemanden interessiert? Wenn das hier ÜBERHAUPT jemanden interessiert, aber gut, ich rede auch öfters mal mit mir selbst, warum nicht mit mir selbst schreiben?

Weiter im (Kon)Text. Nachdem diese so genannte Partynacht also ein jähes Ende mit blutigen Ohren fand, stieg meine Person in ein Taxi, um den Heimweg anzutreten. Bettruhe, denke ich, ist doch auch mal was feines. So auf die 30 zugehend muss man schließlich kürzer treten und vielleicht sogar mal ein Buch zur Hand nehmen, sich bilden…pups…oh Mist, nix mit Buch, ich muss schleunigst auf den Pott, der letzte Ansturm vor dem Einschlafen. Also rauf auf die Bastaille und da liegt es, das Fürlau-Magazin der Anderen – die VICE! Mal reinblicken kann nicht schaden, schauen was gerade hip und trendy ist (schreibt man doch so, oder? trendy?)…die neuste Mode aus Melbourne (hui, das ist weit weg, allein daher schon einen Aha-Effekt wert), gähn, enge Jeans, schwule T-Shirt-Prints und Typen die keine Typen sind…achso, “schwul” darf man laut VICE einfach so benutzen, das Wort jetzt, wohl auch im Kontext…find ich irgendwie schwul, aber schön…weiter gehts nach Japan, wo die globale Muse derzeit zu nächtigen scheint. Gähn, auch hier…eng, eng, eng, macht in der Hose niemals peng…Auch schwul! Paris allerdings geht außerordentlich klar, so ganz unmodisch modisch, reduziert, nicht affektiert, gefällt mir, da es vor allem so aussieht als würden sich die Kids dort in ihren Klamotten auch wohlfühlen, was man von LA mal so gar nicht behaupten kann…angetan hats mir dann aber doch die Rubrik VICE-Mail (schau mal liebe VICE, ich schreibe euch sogar groß, ist doch nett!), also Leserpost, wobei da ganz uncool bürokratisch unter den Texten noch dazu gepinnt wird, ob dieses Feedback die VICE-Redaktion (ja, mir gehts hier um meine Wertigkeit bei Google, deshalb schreib ich so oft VICE, damit man mich besser findet, wer VICE, vielleicht liest das hier ja niemand sonst…) per Email oder per totalo normalo Post erreichte…und hier durften die VICE Leute mal so richtig aus sich rausgehen, den Schwaben zu hause lassen und das Großstadttier (reimt sich auf Großstadtrevier, was mich wiederum darauf bringt, dass das auch eine recht schwule Sendung ist) aus dem Käfig lassen. Da werden Bräute diffamiert, die sich über die sexistische Berichterstattung der VICE aufregen und – ich brech das mal runter – sich als Obenohne Modell anbieten, um ihrer Kritik Ausdruck zu verleihen. Der clevere Redakteur, der immerhin die Leserbriefe beantworten darf (”Wirklich Mami, ich hab da nen echt wichtigen Posten bei der VICE”), geht jetzt in die Vollen. Er habe sich die Kritikerin auf Myspace angeschaut, SIE dürfe ihre Titten gerne für Fotos dem Magazin zur Verfügung stellen, während die Schlehe im Brief darunter das doch bitte vermeiden solle. Wow, bös, wer ist dieser Diktator Kim noch mal, wenn es hier die Haudraufs der Medienwelt bei der VICE gibt???

Gut, mit aufgestauter Wut (siehe Begebenheit aus dem Club) so ein Mag zu lesen scheint nicht die klügste Entscheidung, auch wenn mich der Text über die Katzen-Mode-Designerin (oder wie sagt man dazu in cool?) etwas erhellen konnte. Im Endeffekt scheint mir dieser ganze Flashmob namens VICE doch ein recht überheblicher, zu selbstreferenzieller Haufen von Spießern zu sein, die derzeit in einem gewissen Segment halt Deutungshoheit genießen und diese mit teils amüsanten Texten und meist einfach nur bescheuerten Fotostrecken auszunutzen versuchen, so lange die Anzeigenkunden das auch alles passend finden.

Das wollte ich auch eigentlich nur mal kurz erwähnt haben, bevor ich jetzt mal schaue, wie ich diese Aggression von gestern in den Griff bekomme. Vielleicht ja eine Flasche von diesem “Ist kein Jägermeister”-Gesöff mit der plakativen Farbe, oder ich schließe mich ein paar Handballhooligans an oder was weiß ich, vielleicht schmeiß ich auch einfach mal diesen Rechner hier im Internetcafe aus dem Fenster und schaue, wie der Inhaber das so findet…

egal!

s

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